Tauschhandel für jedermann – Kaufen und Verkaufen ohne Geld

Veröffentlicht am 19.08.2014

Ernest Pflüger im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt. „Es ist an der Zeit etwas zu tun, das Geld wir immer knapper und teurer, wir haben für alle und jeden eine wahre und gerechte Alternative gefunden und wollen die Ihnen weitergeben. Zu viele Menschen besitzen Eigenschaften, Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft und Güter, welche wegen dafür fehlender Geldmittel nie zu Einsatz kommen, was die Anbieter, wie auch die potentiellen Nutzer unbefriedigt zurück läßt. Ich wünschte, daß sich all diese Menschen, Unternehmen und Organisationen in der +ecuworld treffen, um die Gelegenheiten wahrnehmen zu können, welche ihnen das gebräuchliche Finanzsystem nicht bietet und um damit letztlich mehr aus ihrem Dasein machen zu können.“ (Ernest Pflüger)

Sensation in Russland! 1 Hektar Land auf Lebzeiten im Fernen Osten

Quelle: Verfasst von Erdenherz.” (https://erdenherz.wordpress.com/2015/01/20/sensation-in-russland-1-hektar-land-auf-lebzeiten-im-fernen-osten/)

Sensation in Russland! 1 Hektar Land auf Lebzeiten im Fernen Osten

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Eine Neuigkeit verbreitete sich heute wie ein Lauffeuer in den russischen Medien: der russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin hat der Idee zugestimmt, jedem Bürger des Fernen Ostens,einen Hektar Land zu übertragen.

Der Ferne Osten ist einer von 8 (mit Krim 9) Föderationskreisen Russlands, mit einer Fläche von mehr als 6,2 Mio. Quadratkilometern (was etwas mehr als ein Drittel der gesamten Föderation ausmacht). Diese Region ist ein unendlich weites Land und eines der am dünnst besiedelsten Gebiete der Erde: 1 Einwohner pro qkm² – 6 Millionen Menschen zusammen.

Der Präsident sieht zum einen die Entwicklung und Besiedelung des Fernen Ostens vor, zum anderen geht es darum, als Staat unabhängig von auslänischen Lebensmittelexporten zu werden. Gefördert werden auch kleinere Agrar- und Forstwirtschaftsunternehmen. Das Besondere an dem neuen Gesetz: Im Gegensatz zu früheren Gesetzen zur Förderung der bäuerlichen Familienkultur, durch die russischen Bürgern steuerfreie Landstücke für den Gemüseanbau zur Verfügung gestellt wurden (und werden), gibt es im Fernen Osten nun auch die Möglichkeit ein Haus auf diesem Land zu errichten.

Nach dem einem Mensch, einer Familie oder einer Firma kostenlos ein Hektar Land (10.000qm²) übertragen wurde, soll (nach) 5 Jahre(n noch einmal) kontrolliert werden, ob das Landstück auch tatsächlich bewirtschaftet wird. Danach wir das Land (wenn es gut gepflegt wird) demjenigen übertragen.

Bereits vor kurzem schrieb die “Agrarzeitung”, dass in Russland ab 2015 die biologische Landwirtschaft gesetzlich geregelt werden soll. Laut dem Aussenbüro des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA), sind mehr als 50% der Russen bereit, Bioprodukte zu kaufen (bisher lag der Marktanteil bei 0,1%).

Der Oblast Belgorod, an der Grenze zur Ukraine, war den Ideen Anastasias als erstes gefolgt. Dort leben bereits Familien wieder auf einem 1 Hektar großen Familienlandsitz…

 

 

Sprache und Glück, Leben im Augenblick: Das glücklichste Volk der Welt – Pirahã-Indianer

14.09.2010 17:19 UhrVon Matthias Glaubrecht

Bild vergrößernDas glücklichste Volk der Welt. So bezeichnete Linguist Daniel Everett die Piraha.
Das glücklichste Volk der Welt. So bezeichnete Linguist Daniel Everett die Piraha. – Foto: Martin Schoeller

Gesungen, gepfiffen, gesummt: Die Sprache der Pirahã-Indianer am Amazonas stellt Forscher vor ein Rätsel.

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Kein Zweifel, der Dschungel ist voller Gefahren, vor allem nachts. Und wer weniger schläft, der härtet sich ab, so glauben die Pirahã (gesprochen: Pidahan). Als eines der letzten Jäger- und Sammler-Völker leben sie an einem Nebenfluss des Amazonas in Brasilien, in einem Reservat von 240 Kilometern Länge, zwei Tagesreisen mit dem Boot von den Außenrändern unserer Zivilisation entfernt. Es sind kaum mehr als 350 Menschen, die noch heute weitgehend ohne zivilisatorische Errungenschaften auskommen, mit einfachen Hütten ohne Wände und festen Boden, ohne Strom, Telefon und auch ohne Arzt.

Daniel Everett kam erstmals 1977 als Missionar zu ihnen, im Auftrag eines amerikanischen Missionsunternehmens und bezahlt von den evangelikalen Kirchen in den Vereinigten Staaten.

Er kam, die Pirahã zum Christentum zu bekehren, „um ihre Herzen zu verändern“, und sie dazu zu bringen, einen ihnen fremden Gott anzubeten, an den ihnen fremde Menschen glaubten, deren Kultur und Moral sie annehmen sollten. „Obwohl ich die Pirahã noch nicht einmal kannte, war ich überzeugt, dass ich sie verändern kann und verändern sollte.“

Das sei der Hintergrund nahezu jeder Missionstätigkeit, schreibt Everett heute, nachdem er die Pirahã über drei Jahrzehnte immer wieder besucht und mit Frau und drei Kindern über Jahre immer wieder bei ihnen im brasilianischen Regenwald gelebt hat. Doch am Ende ist er es, der dank dieses Lebens bei den Pirahã „entkehrt“ wird. Als Everett seinen Glauben verliert, verliert er auch seine Familie.

Zusammengenommen sieben Jahre hat Everett, der heute Professor für Linguistik an der Universität von Illinois ist, seit seinem ersten Besuch bei den Pirahã im Urwald verbracht. In seinem Reise- und Lebensreport „Das glücklichste Volk“ schildert er nicht nur den Alltag eines Feldforschers am Amazonas. Sein Buch ist zugleich die Geschichte eines physischen wie auch intellektuellen Abenteuers. Die Lektüre ist dabei geradezu eine Wohltat, denn Everetts Bericht kommt nicht daher als massentaugliche Hochdruckbelehrung über die vermeintlich sinnstiftenden Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers, wie der Buchmarkt sie ansonsten bereithält. Hier berichtet einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem – wie er meint – wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt; zu Menschen, die sich beim Gutenacht-Sagen mit den Worten verabschieden: „Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen“.

Fesselnd erzählt Everett von einer uns völlig fremden Welt, eröffnet einen faszinierenden Einblick in eine fremde Lebensweise, eine andere Sicht auf die Welt und vor allem eine ganz andere Art zu denken. Sein Buch mäandriert dabei auf gelungene Weise zwischen Abenteuer- und anthropologischem Forschungsbericht, der zudem beinahe beiläufig Einblicke in die Erkenntnisse der Linguisten erlaubt. Denn um Menschen zu bekehren, mussten Missionare überall auf der Erde zunächst die Sprache der Einheimischen lernen. Die Pirahãs machten es Everett wie schon seinen Vorgängern nicht leicht. Das Naturvolk blieb monolingual, weil es in seiner Abgeschiedenheit des Amazonas keinen Grund hatte, etwas anderes zu lernen als „Apaitsiiso“ – jene Sprache, „die aus dem Kopf geboren ist“.

Tatsächlich unterscheidet sich Pirahã als ureigene Sprache von allen anderen, auch der anderer Amazonas-Indianer. Nicht nur, dass sie die gesungen, gepfiffen und gesummt wird, sie weicht auch strukturell von anderen Sprachen ab. Ihr fehlen viele Elemente, die wir für natürlich halten. Dass sie nur drei Vokale und acht Konsonanten besitzt, mag man noch hinnehmen, auch dass es kein Wort für „danke“ oder „Entschuldigung“ gibt.

Vor allem aber kennen die Pirahã keine Wörter für Zahlen, keine für Farben, keine für gestern und heute. Sie bilden keine Nebensätze und verbinden daher niemals zwei einzelne Aussagen zu einer. Aus „der Mann hat ein Kanu“ und „der Mann fällt einen Baum“ wird bei den Pirahã niemals „der Mann, der ein Kanu hat, fällt einen Baum“, erklärt Everett. Weil ihnen genuine Farbbezeichnungen wie „rot“, „schwarz“ oder „grün“ fehlen, machen sie Farben durch charakteristisch gefärbte Dinge „wie Blut“, „wie Kohle“ oder „das ist noch nicht reif“ anschaulich. Fremden geben sie den Namen des ihnen am ähnlichsten Sippenmitglieds, und sie wechseln diese Namen mehrmals im Leben. Daniel Everett, den sie anfangs „Xoogiái“ nannten, hatte im Laufe seiner Karriere bei den Pirahã immerhin vier Namen, bis er als „Paóxaisi“ nach einem sehr alten Mann der Sippe benannt wurde.

Vergeblich versuchte Everett, den Pirahã, die nicht zählen können, das Rechnen beizubringen. Sie waren auch nach Monaten fruchtlosen Lernens nicht in der Lage, auch nur die Thematik zu fassen: Nicht einem von ihnen gelang es, bis zehn zu zählen oder eins und eins zu addieren. In ihrer Sprache gibt es lediglich zwei Zahlwörter, meinte Everett anfangs. „Hói“ heißt eins und „hoí“ zwei (man beachte die feinen tonalen Unterschiede). Heute glaubt er indes, dass eine bessere Entsprechung „wenige“ und „viele“ wäre und den Pirahã somit Zahlwörter gänzlich fehlten. Immerhin: Offenbar spielt es für diese Menschen durchaus eine Rolle, ob entweder wenige oder viele Fische gefangen werden.

Dank ihrer Besonderheiten – und wohl auch aufgrund der inzwischen bekannten Thesen Everetts – gehört Pirahã neuerdings zu den Sprachen, für die sich Linguisten auf der ganzen Welt interessieren. Unter ihnen haben Everetts Forschungen eine Debatte ausgelöst, denn seine Analyse ist umstritten. So glaubt Everett, dass die Sprache der Pirahã eng mit ihrer Lebensweise und dem Lebensraum verknüpft ist. Schließlich lehnen sie alles Abstrakte ab und kümmern sich nur um das Erfahren des Augenblicks. Dagegen sind viele Linguisten von einer universalen sprachlichen Grundstruktur und Grammatik des Menschen überzeugt, gleichsam dem kleinsten gemeinsamen Nenner der etwa 6500 lebenden Sprachen. Sie gehen davon aus, dass die Fähigkeit, komplexe Satzstrukturen zu bilden, in unseren Hirnen genetisch angelegt ist. Everett hält stattdessen die Sprache für flexibler und von der jeweiligen Kultur bestimmt, mithin unterscheiden sich Sprachen für ihn je nach Lebensraum und den Wertmaßstäben einer Gemeinschaft.

Vermutlich deshalb blieben seine Bekehrungsversuche bei dem Volk letztlich erfolglos. Die fantasievolle Geschichte eines Jesus von Nazareth blieb ihnen gänzlich unbegreiflich. Erst spät erkennt Everett warum. Die Pirahã sprechen nur über Dinge, die sie selbst erlebt haben. Sie reden nicht über die ferne Vergangenheit oder die Zukunft, schon gar nicht über Fantasie-Ereignisse. „Hey, Dan“, fragen sie ihn, „wie kannst Du Jesus Worte haben, wenn Du ihn nie gesehen hast?“ Die Pirahã glauben nur, was sie sehen. Punkt. Manchmal glauben sie auch Dinge, die ein anderer ihnen erzählt hat – vorausgesetzt, dieser war tatsächlich Zeuge der geschilderten Ereignisse.

Der Missionar erkennt, dass Schöpfungsmythen nicht zur Forderung der Pirahã nach unmittelbaren Belegen passen. Als Everett später als Linguist arbeitet, werden solche Belege auch für ihn als Wissenschaftler entscheidend. Für das, was er den Pirahã über seinen Glauben sagte, konnte er nur subjektive Begründungen anführen: seine eigenen Gefühle. Am Ende des Buches bekennt Everett, wie er durch die Beschäftigung mit den Pirahãs, die er anfangs bekehren sollte, das Wesen seiner eigenen Religion, den Akt des Glaubens an etwas, das man nicht sehen kann, ernsthaft infrage zu stellen begann. „Religiöse Bücher wie Bibel und Koran verherrlichen diese Art des Glaubens an Dinge, die nicht objektiv sind und der Intuition widersprechen. Das Leben nach dem Tod, die jungfräuliche Geburt, Engel, Wunder und anderes mehr.“

Ein für primitiv gehaltenes Volk im Regenwald lehrt ihn, den christlichen Missionar und Sprachwissenschaftler, die Unmittelbarkeit des Erlebens und die Forderung nach Belegen.

Daniel Everett: Das glücklichste Volk. Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas. DVA Sachbuch, München 2010, 416 Seiten, 24,95 Euro.

Dr. Joe Dispenza: Evolve your Brain – Verändern Sie Ihr BewusstSein

Waldgärten können gesunde Bio-Lebensmittel für alle bringen – sozusagen “kostenlos”

gefunden bei TheEventChronicle, geschrieben von Andrew Martin, übersetzt und zusammengestellt von Antares

Food Forests Could Bring Healthy Organic Food To Everyone – For Free

(collective-evolution.com) Waldgärten oder Nahrungsmittel-Wälder gibt es schon seit langer Zeit. Viele der indigene Kulturen praktizieren diese Form der nachhaltigen Landwirtschaft. Es ist eine Form der pflanzlichen Lebensmittelproduktion mit geringem Pflegeaufwand, welche natürliche Ökosysteme unter Einbeziehung von Obst- und Nussbäumen, Sträuchern, Kräutern, Kletterpflanzen und mehrjährigem Gemüse repliziert. Nützliche Pflanzen und begleitende Bepflanzung machen einen grossen Teil des Waldgartensystems aus.

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BBC Documentary The Divine Michelangelo Part 1

Leonardo da Vinci – Der Erfinder / Doku ZDF

Leonardo da Vinci – Kunst und Wissenschaft des Universums DOKU HDTV 720p

Rasmin b. Schlafii: Ende der Manipulation – Geheimnisse der Menschheit aufgedeckt

Veröffentlicht am 09.06.2014

Rasmin Banedj-Schafii im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt.

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Literatur: „Das Land der Töchter“, das junge Leben der Yang Erche Namu.

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Das Lan der Töchter

Das Land der Töchter

Dazu:
http://www.zeit.de/1998/40/199840.mosuo_.xml

von Susanne Knödel
Männer? Nur für die Nacht!

Bei den Mosuo im Südwesten Chinas haben die Frauen das Sagen. Die Ehe ist verpönt, der soziale Friede groß

Im gebirgigen Südwesten Chinas, an einer alten Handelsstraße zwischen den Provinzen Yunnan und Sichuan, leben die Mosuo. Ihre Heimat sind das fruchtbare Hochtal von Yongning und die daran angrenzenden Gebiete: ein fischreicher See, bewaldete Hänge und weiter oben im Gebirge ertragreiche Yakweiden.

Die Mosuo praktizieren eine sehr ungewöhnliche Form der sozialen Organisation: Formelle Ehen sind bei ihnen zwar bekannt, aber selten und unbeliebt; die sozial erwünschte Form der Mann-Frau-Bindung ist eine Besuchsbeziehung, die ohne Mitwirken Dritter aufgenommen und beendet wird.

Ein Mann hat auch keine finanziellen oder sozialen Verpflichtungen gegenüber den Kindern, die er gezeugt hat. Seine Fürsorge richtet sich auf die Kinder seiner Schwestern und Kusinen, mit denen er als Onkel in einem Haushalt zusammenlebt und die ihrerseits für ihn sorgen, wenn er alt geworden ist.

Zur Ehe oder zum unverheirateten Zusammenleben sind die Mosuo nur unter Druck bereit. Vor der Machtübernahme durch die Kommunistische Partei Chinas war dieser Druck demografischer Natur: Hatte eine Familie in einer Generation keine weiblichen Nachkommen, so mußte eine außenstehende Frau aufgenommen werden, um die Existenz des Haushalts fortzusetzen. Fehlten männliche Nachkommen, die körperlich schwere Arbeit verrichten konnten, nahm man den Partner einer der Frauen auf.

Nach der chinesischen Revolution reduzierten Gesundheitsprogramme Unfruchtbarkeit und Kindersterblichkeit, demografische Defizite verringerten sich. Statt dessen standen die Mosuo nun unter politischem Druck, denn die Kommunistische Partei betrachtete die Besuchsbeziehung als Relikt einer längst vergangenen Epoche, unvereinbar mit sozialistischer Moral. Von 1958 an führte sie energische Umerziehungskampagnen durch, 1975 wurden schließlich alle Erwachsenen zur Heirat mit ihren Partnern gezwungen. Ein großer Teil dieser unfreiwilligen Ehepaare ließ sich nach den ideologischen Lockerungen der Reformpolitik ab Ende der siebziger Jahre scheiden. Die eingeheirateten Partner zogen in ihre mütterlichen Haushalte zurück, die gewohnten Besuchsbeziehungen wurden wieder aufgenommen.

Die Mosuo sind davon überzeugt, daß ein Mensch am besten mit denjenigen zusammenlebt, die er von Geburt an kennt und die über untrennbare mütterliche Blutsbande mit ihm verbunden sind. Denn die Mutter ist einem Kind vom Schicksal vorherbestimmt, während der Vater als zufällig und austauschbar gesehen wird, und Partner können einander niemals so nahe stehen wie mütterliche Blutsverwandte.

Die Frauen tragen die Hauptlast der landwirtschaftlichen und häuslichen Arbeit. Sie haben aber auch einen tendenziell höheren Status als die Männer und einen leichteren Zugang zur Führungsrolle in der Familie. Männer sind zuständig für das körperlich schwere Pflügen und die Versorgung des Großviehs. Alles andere, vom Füttern der Schweine über das Jäten der Felder bis zum Kochen, ist Frauensache.

Im Wohnraum spiegelt sich die Dominanz der Frauen in der Sitzordnung: Ihr Platz ist auf der linken, statushöheren Seite des Feuers. Auch haben nur Frauen einen festen Wohnplatz im Gebäude, erwachsene Brüder müssen auswärts oder im Heu schlafen. Nur alte Männer und Mönche haben eigene Räume.

Im spirituellen Bereich wird die besondere Tüchtigkeit der Frauen auf das Vorbild und den besonderen Schutz der Berggöttin Ganmu zurückgeführt. Sie ist das höchste Wesen der einheimischen, nichtbuddhistischen Religion Yongnings. Ganmu residiert in der Mitte des Mosuo-Gebiets, und die männlichen Götter der umliegenden Berge suchen sie nachts als Partnerin auf. Sie schützt das Wohlergehen Yongnings und die Gesundheit der Frauen, ist Schutzherrin über ihre Partnerschaften und schenkt ihnen Kinder.

Trotz der weiblichen Dominanz gibt es bei den Mosuo frauenfeindliche Sprichwörter und Tabus. Ein Frauenparadies ist also auch Yongning nicht. Und als ich selbst die Frage stellte, warum die Mosuo-Frauen denn so besonders tüchtig seien, in der Hoffnung, ungebrochenes Selbstbewußtsein präsentiert zu bekommen, erhielt ich die ernüchternde Antwort: „Wir müssen. Die Männer tun ja nichts!“ Die Bequemlichkeit, die die Mosuo-Männer genießen, kann man also von zwei Seiten sehen.

Im Familienrat wird so lange diskutiert, bis alle einer Meinung sind

Was immer die Mitglieder eines Haushalts ernten oder an Verkaufserlösen einnehmen, kommt in die Vorratsräume des Gehöfts und in das gemeinsame Haushaltsbudget. In das Budget fließen auch die Löhne ein, mit kleinen Abzügen, die dem persönlichen Bedarf oder den Geschenken für einen Partner dienen. Aus dem gemeinsamen Budget wiederum erhalten die einzelnen Mitglieder, was sie brauchen.

Größere Entscheidungen wie Ankäufe, Verkäufe oder zu Ausbildungsfragen der Kinder werden im Familienrat gefällt. In ihm gilt das Konsensprinzip: Es soll so lange diskutiert werden, bis ein für alle akzeptabler Entschluß gefaßt ist. Die Zuteilung kleinerer Summen an Haushaltsmitglieder, die täglichen Ausgaben und die Einteilung der Vorräte über das Jahr liegen allein in der Hand der fähigsten Frau des Haushalts, der dabu . Zu ihrer Qualifikation zählen haushälterische Talente und vor allem die Gabe, mit anderen Menschen gut auszukommen, sowie strikte Unparteilichkeit gegenüber allen Familienmitgliedern. Nur wenn keine geeignete Frau zur Verfügung steht, kann ein Mann die Position innehaben. In der Praxis allerdings fehlt oft die geeignete Frau – 1960 waren es fast 50 Prozent der untersuchten Fälle, eine kleinere Stichprobe Ende der achtziger Jahre fand sogar nur 43 Prozent weibliche dabu .

Selbst eine tüchtige Frau kann durch mehrere Kleinkinder so belastet sein, daß ein Bruder, Vetter oder Onkel einspringen muß. In jüngerer Zeit kommt die staatliche Erziehung hinzu, die die familiäre Mitverantwortung des Mannes betont. Allerdings darf ein männlicher dabu nicht alle Aufgaben übernehmen, die einer Frau in dieser Position zustehen. Das Austeilen von Vorräten und Essen sowie der Empfang von Gästen des Haushalts bleiben Frauensache und müssen gegebenenfalls von einer kleinen Schwester oder Nichte übernommen werden.

Neben ihrer wirtschaftlichen Verantwortung hatte die dabu früher auch die Aufgabe, ihren Haushalt in der Öffentlichkeit zu vertreten. Sie nahm in dieser Funktion an Veranstaltungen teil und war gegenüber dem Lokalherrscher für ihren Haushalt verantwortlich. Heute heißt es auf die Frage, wer denn für den Haushalt Behördengänge erledige, „wer am besten reden kann“ – und das könne eine Frau oder ein Mann sein.

Mit 13 Jahren werden beide Geschlechter volljährig und dürfen von diesem Zeitpunkt an ohne weitere Vorbedingungen Beziehungen zum anderen Geschlecht aufnehmen. Die Mädchen haben dann eine eigene Schlafkammer im mütterlichen Gehöft. Meistens vergehen nach der Volljährigkeit noch Jahre, bis die jungen Leute wirklich Partner haben. Das Kennenlernen ist nicht schwer, denn Geschlechtertrennung gibt es weder in der Schule noch bei der Arbeit, und Festtage sind eine anerkannte Gelegenheit zur Partnersuche. Männer können, wenn sie eine Frau kennenlernen möchten, auch die Vermittlung eines Freundes suchen, über den sie an die Familie der Frau herantreten. Ob sie den Mann kennenlernen will, entscheidet die Frau alleine. Wenn sie noch jung ist, werden Mütter und Schwestern ihr zu- oder abraten. Doch Frauen können auch die Beziehung zu einem von der Familie abgelehnten Mann lange aufrechterhalten.

Mehrere Faktoren spielen bei der Partnerwahl eine Rolle: Ob der Mann gut aussieht, tüchtig und in der Gemeinschaft anerkannt ist, ob er wohlhabend ist und schöne Geschenke machen kann, ob er ein angenehmes Wesen hat, hilfsbereit und großzügig ist – all das wird in Erwägung gezogen. Ob der Mann Mosuo ist oder nicht, ansässig oder nur auf der Durchreise, spielt hingegen keine Rolle – die Beziehung bindet ihn ja nicht an eine Familie.

Stolz auf die eigene Fruchtbarkeit äußern Mosuo-Männer durchaus, aber den Wunsch, mit den eigenen Kindern zusammenzuleben, suchten die chinesischen Ethnologen der sechziger Jahre bei ihnen weitgehend vergeblich. Heute hat sich dies geändert: Die jahrzehntelangen Kampagnen, die die Verantwortung beider Eltern für die Erziehung eines Kindes betonten, haben dazu geführt, daß nun viele Männer Kinder mit ihrer Partnerin haben wollen. Diesem Wunsch wird allerdings schon durch die staatliche Geburtenkontrolle ein Riegel vorgeschoben: Yongning ist, wie alle agrarisch nutzbaren Landstriche Chinas, stark überbevölkert. Anfang der neunziger Jahre ist die Quote auch für die Mosuo auf zwei Kinder pro Frau beschränkt worden.

Junge Leute wechseln ihre Partner oft und finden die Vorstellung von Treue langweilig. Es gilt das Prinzip „Viel Freund, viel Ehr'“. Stolz tragen junge Leute Kleidungs- und Schmuckgeschenke der Partner, um ihre Erfolge zu demonstrieren. Früher war es auch erlaubt, mehrere Partnerschaften gleichzeitig zu unterhalten. Dies wird heute höchstens heimlich getan, zudem gilt eine Anstandszeitspanne zwischen zwei Partnerschaften jetzt als richtig. In mittleren Jahren ziehen die meisten Mosuo ein ruhigeres Beziehungsleben vor.

Auch lebenslange Monogamie war und ist nicht ungewöhnlich. Doch die Partnerschaft kann jederzeit beendet werden, wenn einer der Partner nicht mehr interessiert ist. Die Trennung bedarf nicht unbedingt vieler Worte – der Mann kann einfach ausbleiben, die Frau ihm die Tür nicht mehr öffnen. Selbst eine jahrzehntelange harmonische Beziehung und gemeinsame Kinder sind keine Hinderungsgründe. Trennungsschmerz, Eifersucht und Versuche, einen Partner für sich zu behalten, gibt es durchaus. Doch Familie und Freunde unterstützen solche Verhaltensweisen nicht durch Verständnis, sondern sehen sie eher als peinliche Ausrutscher.

Nichts kann einen Partner halten, der seiner Wege gehen will – und warum sollte man ihn oder sie auch halten wollen: Es gibt ja genug andere. Die Männer sagen dazu: „Eine Türe schließt sich, zehn Türen öffnen sich.“ Die entsprechende Redensart der Frauen lautet: „Geht ein Mann, so kommt dafür ein anderer.

Die Voraussetzung dafür ist, daß die Mosuo an die Mann-Frau-Beziehung keine großen emotionalen Anforderungen stellen. Gegenseitige Sympathie muß natürlich vorhanden sein, aber menschliche Wärme und Geborgenheit werden nicht in erster Linie von einem Partner, sondern von den mutterseitigen Verwandten erwartet. Partner sind und bleiben Fremde, die nicht in der Familie aufgewachsen sind und deshalb auch nicht das Leben teilen können.

Ein Ehepartner könnte die Solidarität der Geschwister zerstören

Wenn man Schwestern hat, deren Kinder das Fortbestehen des Haushalts sichern, gilt eine Heirat als Zumutung für die Familie. Der neue Ehepartner könnte einen Keil in die Familie treiben, die Solidarität der Geschwister zerstören. In der Zeit der Eheschließungskampagnen erhielten viele der Aktivisten einen Denkzettel von der älteren Generation: Die Mütter nötigten sie zum Auszug, damit der Frieden in der Familie nicht durch Fremde gestört würde. Oft blieben Paare deshalb nur wenige Wochen beieinander. Dann zogen die Partner das gewohnte Leben mit vertrauten Personen dem sozialistischen Abenteuer Ehe vor.

Uns erscheint die Familienform der Mosuo paradiesisch-ursprünglich. Aber die Mosuo selbst verstehen sich als moderne Menschen. Sie werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß ihre Nachbarvölker ständigen Unfrieden in ihren Familien haben. Als eine besondere Leistung ihrer eigenen Kultur sehen sie die Bewahrung der zwischenmenschlichen Harmonie an, einer Harmonie, die gegenseitige Unterstützung und gutes Auskommen miteinander an die Spitze auch der nachbarlichen Tugenden stellt. Zumindest die Kriminalstatistik gibt ihnen recht: Yongning hat selbst für chinesische Verhältnisse eine ausgesprochen niedrige Verbrechensrate aufzuweisen. Totschlag und Mord sind sehr selten, und Fälle von Vergewaltigung sind überhaupt nicht bekannt.

Die Autorin ist Ethnologin am Hamburger Museum für Völkerkunde. Eine Langfassung ihres Textes erschien 1997 in der von Gisela Völger herausgegebenen Materialiensammlung „Sie und Er – Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich“ zu einer gleichnamigen Ausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln

Gedicht:

Crystals in the Dark

Sei nun vorüber, gewesenes Leben,
streng in Bahnen,
beschränkt, verrenkt, gelenkt,
genussvoll, doch taub zum Sterben gebettet,
hervor nun endlich…!

Dem hellsten Lichte zugewandt.
Zu Sein,
Liebend, unendlich verstehend, begreifend,
vor mir Dein reinstes Wesen,
Schwanger vor Schöpfung.
Du zartes Endlos!
Du,
des Kernes gewiss,
herauf steigst, Hierher,
Verwahrtes jetzt öffnend,
Transparente Wesen,
Tanzen, Schwingen…
Aus Vielfalt Eins,
pulsierend ans Herz gelegt,
Dir,
zum ew’gen Wohl!

Matree