Wissende des Gedeihens
Schulen für freies Lernen

“Ich bitte alle Kinder, die sich in meinem Namen versammeln: Setzt Euch für den Frieden unter den Menschen und in der Welt ein!”

Diese Worte Maria Montessoris kann jeder lesen, der ihr Grab in Nordwijk (Niederlande) besucht. Maria Montessoris Pädagogik ist insofern eine Friedenspädagogik, als sie im Kern das soziale Miteinander bzw. das Schaffen und Pflegen von gleichwertigen Beziehungen zum Ziel hat.
Angesichts der aktuellen bedrohlichen politischen Situation ist Maria Montessoris Pädagogik aktueller denn je. Maria Montessoris Wirken ankerte in ihrem Glauben, dass Kinder und Jugendliche, die in der Gemeinschaft zu starken Persönlichkeiten werden und im Miteinander trainiert sind, Garanten einer friedlicheren Gesellschaft werden.

Quelle: http://www.montessori.de/maria.php:

Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravalle in der Provinz Anconas geboren. Ihre Mutter Renilde Montessori, geb. Stoppani (1840 – 1912), stammte aus einer Gutsbesitzerfamilie und ihr Vater Alessandro Montessori (1832 – 1915) war Finanzbeamter. Der Vater war eher konservativ eingestellt, ihre Mutter vertrat jedoch eher liberale Ansichten. Was sich später auf die Berufswahl von Maria auswirkte.  

Nach der sechsjährigen Grundschulzeit, beschloß Maria 1833 auf eine naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule zu gehen, welche normalerweise nur von Jungen besucht wurde. Ihr Vater konnte diese Wahl mit seinem kleinbürgerlichen Weltbild nur sehr schwer vereinbaren, doch ihre Mutter stelle sich aufgrund ihrer offenen Weltanschauung auf die Seite Marias. Die Ausbildung an der Sekundarschule schloss sie mit großem Erfolg, vor allem in Mathematik, ab. Ihr Berufswunsch hatte sich während dieser Zeit geändert, sie wollte nun Ärztin werden.
Der Arztberuf war zu jener Zeit in Italien eine reine Männerdomäne. Alessandro, ihren Vater, überzeugte Maria insofern, dass er ihr das Studium nicht verbat, jedoch entstand durch diese Entscheidung ein tiefer Bruch zwischen den Beiden. Zunächst verwehrte man ihr die Zulassung zum Medizinstudium, weshalb sie 1890 Naturwissenschaften an der Universität in Rom studierte. Letztendlich waren ihre Bemühungen zum Medizinstudium zugelassen zu werden von Erfolg gekrönt. So begann sie 1892 als erste Frau das Medizinstudium. Sie musste viel Kritik und Diskriminierungen über sich ergehen lassen, zum Beispiel durfte sie beim Sezieren der Leichen nicht mit Männern in einem Raum sein, was zur Folge hatte, dass sie abends und allein im Anatomiesaal arbeitete.
Kurz vor der Beendigung ihres Medizinstudiums musste sie vor all ihren Mitstudenten einen Vortrag halten. Sie bewältigte diese Aufgabe mit Bravur und ihr Vater, welcher dem Vortrag beigewohnt hatte, war so stolz auf seine Tochter, dass sie sich wieder versöhnten. Am 10. Juli 1896 promovierte Maria und wurde die erste Ärztin Italiens, die „Dottoressa“.

In den Jahren 1896 – 1906 arbeitete sie erst in einer chirurgischen Klinik, später begann sich für die Pädagogik zu interessieren und arbeitete nun in einer psychiatrischen Klinik für geistig behinderte Kinder.

Ein weiterer wichtiger Punkt in ihrem Leben war die Beziehung zu Dr. Giuseppe Montesano, mit dem sie an der psychiatrischen Klinik eng zusammengearbeitet hatte. Aus dieser Beziehung entstand ihr Sohn Mario, welcher am 31. März 1898 geboren wurde. Durch diese Entwicklung stand sie im Konflikt zwischen ihrer Karriere und ihrem Kind. Ein uneheliches Kind war zu dieser Zeit verpönt. Hätte sie öffentlich zu ihrem Sohn gestanden, wäre ihre Karriere beendet gewesen und damit auch ihre bisherigen pädagogischen Bemühungen. Deswegen entschloss sie sich ihren Sohn in eine Pflegefamilie zu geben. Dort besuchte sie ihn häufig. Ihr eigenes Kind nicht selbst erziehen zu können war vielleicht ein Grund, warum sie sich so sehr um die bestmögliche Erziehung aller Kinder bemühte.

In den folgenden Jahren studierte sie erneut, diesmal Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie. Sie hielt viele Vorlesungen und trieb ihre Erkenntnisse voran. Die ersten Grundzüge ihrer Pädagogik waren gedacht. An der psychiatrischen Klinik beobachtete sie geistig behinderte Kinder und stieß auf das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit. Sie versuchte die Kinder mit verschiedenen Sinnesübungen zu erreichen und war damit erfolgreich. Der Wunsch dasselbe mit normalbegabten Kindern zu probieren war geweckt und die Möglichkeit dazu ergab sich am 6. Januar 1907, als sie das erste Kinderhaus „casa dei bambini“ im römischen Proletarierviertel San Lorenzo eröffnete. Durch ihre großen Erfolge wurden in Italien immer mehr Kinderhäuser eröffnet.

1909 hielt Maria ihren ersten Ausbildungskurs über ihre Pädagogik und veröffentlichte ihr Werk „Il metodo della pedagogica scientifica“.
1913 nahm sie ihren nun 15-jährigen Sohn Mario zu sich. Dieser begleitete sie in der folgenden Zeit bei ihren Reisen in verschiedene Länder, wo Maria ihre Pädagogik durch Kurse und Vorträge bekannt machte. Die Montessori-Bewegung war international geworden, es wurden nun weltweit Montessori-Kinderhäuser und -Schulen eröffnet. Im Laufe der Zeit bezog sie Mario immer mehr mit ein und er wurde ihr Berater.

In der Blüte der Montessori-Bewegung gelangten in Italien die Faschisten an die Macht. Mussolini unterstützte ihre Pädagogik und die Methode wurde an allen italienischen Schulen eingeführt, ihre Pädagogik wurde zur nationalen Erziehungstheorie Italiens. Als die Faschisten zu stark in ihr Werk eingriffen, löste Maria die Verbindung und floh nach Amsterdam. In Italien, Spanien, Russland und Deutschland wurden die Montessori-Schulen geschlossen. Sie erlitt große Rückschläge und floh nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach Indien, wo sie von 1939 bis 1946 mit ihrem Sohn Mario lebte.
In der Zeit in Indien baute sie ein großes Netzwerk auf und es entstand eine starke indische Montessori-Bewegung. 1946 kehrte sie nach Europa zurück und stand vor ihrem nahezu vernichteten Werk. Maria gab nicht auf und ließ ihr Lebenswerk mit viel Mühe und vielen Reisen und Vorträgen wieder aufblühen.

Am 6. Mai 1952 verstarb Maria Montessori überraschend in Holland und hinterließ ihr Werk, welches von ihrem Sohn Mario weiterentwickelt wurde und bis heute aktuell geblieben ist. (vgl. Heiland, H.: Maria Montessori. Reinbek 1991)